Zum Begriff "Didaktisches Szenario"

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Auf diesen Seiten wird „Didaktisches Szenario“ in Großschreibung verwendet, weil dieser Begriff als Fachausdruck mit einer ganz spezifischen Bedeutung benutzt wird. Der Begriff Szenario leitet sich vom lat. scaena (Bühne) bzw. scaenarius (zur Bühne gehörig) ab. In der römischen Geschichte wurde damit eine Szenenbeschreibung für ein Theaterstück verstanden. In diesem Sinne wird dieser Begriff auch heute noch für Theater, Film und Oper verwendet.

Die Beschreibung einer geplanten Szene – etwa in einem Drehbuch – umfasst nicht nur den Ablauf der Handlung selbst, sondern auch ein Inventar der Umgebung (Orte, Ausstattung, Schauspieler, Requisiten). Ein Szenario in einem Drehbuch ist also die Schilderung eines geplanten Handlungsablaufes mit dem dafür notwendigen Zubehör. Die Beschreibung hat damit einen präskriptiven (vorschreibenden) Charakter und besteht aus Anweisungen inklusive den notwendigen Informationen, um den Entwurf (= Szenario) in eine entsprechende Aufführung, Performance (= Szene) umsetzen zu können. Ein Didaktisches Szenario ist demnach ein Skript für die Inszenierung eines bestimmten Lernarrangements und stellt die notwendigen Erfordernisse – Handlungen in der (Lern-)Zeit bzw. Ausstattung im (virtuellen) Raum – für die Umsetzung zusammen.

Die wesentliche Aufgabe eines Didaktischen Szenarios ist es, eine detaillierte Beschreibung des Arrangements zu geben. Aus diesem Grund sind einfache Bezeichnungen wie „Präsentation“ oder „Gruppenarbeit“ nicht ausreichend: Welche Art von Präsentation ist hier gemeint? Mit welchen Medium wird an welche Zielgruppe präsentiert? Wie lange? Ähnlich bei der Gruppenarbeit: Wie groß ist die Gruppe? Wie setzt sie sich zusammen? Bekommt die Gruppe eine konkrete Aufgabe? Gibt es eine zeitliche Beschränkung? Usw. usf.

Ein Didaktisches Szenario umfasst die Beschreibung des sozialen, räumlichen und zeitlichen Settings. Der konkrete Detaillierungsgrad wird dabei durch das Lernziel bestimmt: So wie im Skript einer Theaterszene nur jene Requisiten erwähnt bzw. beschrieben werden, die für die Handlung dann auch tatsächlich wichtig sind, so werden im Didaktischen Szenario nur jene Angaben gemacht, die für die Umsetzung des Lernziels relevant sind.

Ein Beispiel für ein Didaktisches Szenario ist die so genannte Kugellagermethode. Dabei werden Lerngruppen in Form eines Doppelkreises aufgeteilt und berichten sich gegenseitig die Lernergebnisse. Beispielsweise teilen die Personen im Außenkreis ihrem Gegenüber im Innenkreis ihre Arbeitsergebnisse mit. Die Personen im Innenkreis hören zu und stellen Verständnisfragen. Nach einem fixen Zeitschema dreht sich der Innenkreis um einen Platz und die Personen im Innenkreis erfahren von einem anderen Gruppenergebnis. Wenn alle Gruppen durch sind, tauschen die Lernenden von Innen- und Außenkreis ihre Plätze und damit auch ihre berichtende bzw. zuhörende Rolle. (Eine Tutorial zu dieser Methode wurde im Rahmen einer Projektarbeit von Studierenden an der Donau-Universität Krems (DUK) als Flash-Animation realisiert (vgl. die Webseite von Methotrain).